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Chronik Wellenberg 1934 bis Juni 1996 (1996)

AuthorArgr. kritisches Wolfenschiessen
DateJune 1996
Classification 2.12.4.10/22 (SWITZERLAND - WASTE (NAGRA))
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Vorwort

Das Geschehen am Wellenberg hält uns Nidwaldnerinnen und Nidwaldner seit 
zehn Jahren in Atem. Die vorliegende Chronik legt Zeugnis dafür ab.

Durch das nicht sonderlich durchdachte Vorprellen der Nidwaldner Regierung - man 
wollte als ein ,,Akt freundeidgenössischer Solidarität' Hand bieten zur Lösung einer 
nationalen Aufgabe - wurde die Suche nach einem Atommüllager in der Schweiz 
schlussendlich in höchstem Mass verpolitisiert. Was anfänglich als wissenschaftliches 
Auswahlverfahren deklariert worden war, verkam nun endgültig zum politischen 
Schauspiel mit oft komischen bis grotesken, bisweilen aber auch mit bitterbösen und 
tragischen Szenen, dies insbesondere für die Direktbetroffenen.

Anlässlich mehrerer Landsgemeinden und unzähliger Ratssitzungen wurde das in 
breiten Bevölkerungskreisen unerwünschte Atommüllvorhaben zum Traktandum. 
Dutzende von Informationsveranstaltungen gingen über die Bühne, weit mehr als 
hundert Sitzungen der verschiedenen Aktionsgruppen fanden statt (Die Arbeitsgruppe 
kritisches Wolfenschiessen begeht ihre 100. Sitzung am 30. Juni 1996). Meterweise 
stehen die Ordner in den Bücherregalen der Aktivisten, und last but not least haben 
seither mehrere Millionen Franken die Besitzerin gewechselt.

Das Nidwaldner Volk und vornehmlich die Wolfenschiesser Bevölkerung musste 
sich in zwei Lager spalten lassen; der atomaren Spaltung folgte die gesellschaftliche, 
ein Vorgang, welcher wie ein Schatten die Kernenergienutzung begleitet.

Nach 10 Jahren Kampf ist ein geistiger Marschhalt willkommen. Bevor die nächste
Atomschlacht geschlagen wird, tut es Not, die Kräfte zu bündeln und die Fakten zu 
ordnen, denn eines ist so gewiss wie das Amen in der Kirche: Unser Widerstand ist 
beseelt von Tugenden wie Kompromisslosigkeit, Hartnäckigkeit und Langlebigkeit. 
Es wird in dieser Sache keine faulen Zugeständnisse geben dürfen, zu gravierend 
und nachhaltig sind die Konsequenzen für kommende Generationen angesichts des 
hemmungslosen Raubbaus an unserer Natur, den die heutige Generation förmlich 
zelebriert.

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