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Publication Laka-library:
Energie für die Slowakei:.....nr.3 (1992)

AuthorWWF
DateMarch 1992
Classification 2.33.0.00/05 (CZECHOSLOVAKIA - GENERAL (untill 1992))
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EDITORIAL

Die Slowakei am Wendepunkt ihrer Energiepolitik?

Die Auseinandersetzung um die Fertigstellung und Inbetriebnahme des 
Donaukraftwerkes Gabcikovo hat in den vergangenen Monaten an Heftigkeit 
zugenommen: während die Kraftwerkslobby starr an ihren Plänen festhält und jetzt 
mit den Baumaßnahmen zur "Variante C" noch weitere riesige Investitionen tätigt, 
münden die Proteste tausender Bürger der Großen und der Kleinen Schüttinsel
vom vergangenen Sommer inzwischen auch in offene Kritik von Parlamentariern 
und Medien der CSFR. Nach dem wiederholten Scheitern bilateraler Verhandlungen 
mit Ungarn droht sogar ein internationaler Konflikt, dessen Entwicklung europäische 
Beobachter mit Sorge verfolgen.

Der WWF (World Wide Fund for Nature) hat ein Interesse daran, daß die 
ökologische, soziale und wirtschaftliche Stabilität der Slowakei gefördert wird, 
auch wenn man ausländischen Kritikern des Atomkraftwerkes Bohunice und des 
Wasserkraftwerksprojektes Gabcikovo gerne Anderes unterstellen will. Als Nachbarn 
und als Bürger des gemeinsamen Hauses Europa sind wir nicht nur von schädlichen 
Immissionen betroffen, sondern wollen verhindern, daß eine europaweit bedeutende 
Naturlandschaft und das Trinkwasserreservoir für mehrere Millionen Menschen 
zerstört werden. Es ist für uns wichtig, wie die Regierungen und die Behörden
der CSFR mit der friedlich vorgetragenen Kritik vieler Bürger umgehen. Und es 
ist schlecht, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse so manipuliert werden, daß sie 
als Begründung für ein Projekt plausibel klingen.

Es ist unserer Meinung nach ebenfalls von europäischem Interesse, ob das nationale 
Budget der CSFR heute für die Realisierung technisch wie wirtschaftlich veralteter 
Megaprojekte belastet wird oder ob zusammen mit einer Umstrukturierung der 
Produktions- und Verbrauchersektoren eine Effizienzsteigerung im Energiebereich 
bewirkt werden soll. Es wurden noch keine Kosten-Nutzen-Analysen veröffentlicht 
als Beweis, daß sich Projekte wie Gabcikovo auch zum heutigen Tag noch rechnen,
insbesondere in Bezug auf die miteinzubeziehenden, weitreichenden Folgekosten (in 
den Bereichen Grundwassersteuerung, Trinkwasserförderung, Ertragseinbußen bei 
Land- und Forstwirtschaft, Unterhaltung Von Kanal und Kraftwerk etc. ). Nach 
unseren Abschätzungen wird diese Bilanz für das Projekt Gabcikovo nicht positiv 
sein und müßte daher zwangsläufig zur Neuorientierung auf alternative 
Energieprojekte führen.

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