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Vier Jahre Zehn Jahre nach Tschernobyl (1996)
| Author | Roland Scholz |
| Date | April 1996 |
| Classification | 2.34.8.10/92 (CHERNOBYL ACCIDENT - CONSEQUENCES SURROUNDINGS - GENERAL) |
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Zehn Jahre danach ... An läßlich des vierten Jahrestages der Katastrophe von Tschernobyl entstand die IPPNW-Broschüre "Versuch einer Bilanz". In den Anmerkungen hatte ich strahlenbiologische Zusammenhänge erläutert und die Hypothese der chronischen Knochenmarksdepression durch Akkumulation knochensuchender Radionuklide als Ursache des Tschernobyl-AIDS formuliert. Es war der Versuch einer Orientierung, nachdem sich die Nebel etwas gelichtet und die aufgeregten Diskussionen zwischen Bagatellisieren und Dramatisieren gelegt hatten. Nun drängt mich Michael Roelen, eine Bilanz nach zehn Jahren zu versuchen. Doch würde sie sich wesentlich von der nach vier Jahren unterscheiden? Nach wie vor ist das wahre Ausmaß der Katastrophe nicht bekannt, teils weil die Folgen verschwiegen oder verharmlost werden - trotz der Öffnung der ehemaligen Sowjetunion und trotz (bzw. wegen?) vieler Kontakte,- teils weil es schlichtweg noch zu früh ist, die Spätschäden zu erfassen. In Belarus wissen wir eigentlich nur bei den Schilddrüsenerkrankungen (Krebs und Funktionsstörungen), woran wir sind: eine Zunahme der Krebshäufigkeit bei Kindern, mit steigender Tendenz, sowie Unterfunktionen bei vielen Kinder in hochbelasteten Gebieten. Bei den Leukämien tappen wir noch immer im Dunkeln. Offiziell heißt es, eine Erhöhung sei "statistisch nicht gesichert". Wie leicht sich aber durch räumliches und zeitliches Verdünnen ein brisanter Befund statistisch verschleiern läßt, haben wir oft genug erfahren. Demgegenüber steht eine Vielzahl von Einzelbeobachtungen aus Kliniken, von Ärzten und Lehrern. In ihrer Gesamtheit bestätigen sie die frühen Befürchtungen. Nach wie vor sind zum Unfallhergang viele Fragen offen. Ob Konstruktionsfehler (Stichwort: Schrottreaktor) oder verantwortungslose Leichtfertigkeit des Bedienungspersonals, mir fällt es schwer, die eine oder andere Version zu glauben.
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