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Die Auswirkungen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl in der Republik Belarus der Russischen Foederation und der Ukraine (1993)

AuthorA.Sahm
DateMay 1993
Classification 2.34.8.10/95 (CHERNOBYL ACCIDENT - CONSEQUENCES SURROUNDINGS - GENERAL)
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Vorbemerkung

Obwohl seit der Explosion im 4. Reaktorblock des AKWs von Cernobyl' bereits 
sieben Jahre vergangen sind, ist es heute immer noch fast unmöglich, einen 
zuverlässigen Überblick über die realen Ausmaße der Katastrophenfolgen zu geben. 
(1) Zwar ist die Nachrichtensperre über die Auswirkungen der Reaktorkatastrophe
am 24. März 1989 -einen Tag vor der Eröffnung des ersten sowjetischen 
Volksdeputiertenkongresses-weitgehende aufgehoben, seither das 
Informationsmonopol des Zentrums zunehmend beseitigt worden und in die 
Verantwortung der Republiksführungen übergegangen, doch zahlreiche geheime 
Daten, Verordnungen etc. sind bisher nicht freigegeben worden oder kaum mehr 
rekonstruierbar (dies gilt z.B. für die Schilddrüsenbelastung der Menschen in den 
belasteten Gebieten mit Jod-131 in den ersten zwei Wochen nach dem Unglück oder 
die Belastungsdosen der Teilnehmer an den Aufräumarbeiten in den ersten Wochen 
nach der Katastrophe). (2) War die Geheimhaltung zwischen 1986 und 1991 nicht 
zuletzt auch systemerhaltenden Interessen geschuldet, scheinen jetzt häufig nur noch 
konkrete Verwaltungsinteressen oder gar die persönliche Angst im Vordergrund zu 
stehen, seine Positionen aufgrund der Beteiligung an der Verharmlosung der Folgen 
der Reaktorkatastrophe zu verlieren. Schließlich fanden in der Republik Belarus' und 
in der Ukraine nach dem gescheiterten Putsch gegen den sowjetischen Präsidenten 
Gorbacev im August 1991 keine substantiellen personellen Wechsel statt. Dies gilt 
auch für die sowjetischen Wissenschaftsinstitute, die weitgehend unverändert in die 
Jurisdiktion der Russischen Föderation übergegangen sind. (3) Seit 1991 findet sich 
jedoch auch ein neues Motiv in den aufgrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten 
eingeschränkten Handlungsspielräumen der Republiken.

(1)  Den ersten offiziellen Versuch einer systematischen Darstellung der
Katastrophenfolgen und der Maßnahmen zu ihrer Bewältigung stellt der vom 
sowjetischen Komitee zur Liquidation der Folgen der Havarie im AKW von 
Cernobyl' herausgegebene Sammelband Cernobyl'. Pjat' trudnych Iet, Moskva 1992, 
dar. Obwohl hierin zweifellos bisher verschwiegene Themenkomplexe angesprochen 
werden, wird dennoch weitgehend der Eindruck eines umfassenden, erfolgreichen 
Umgangs mit den Katastrophenauswirkungenerweckt und werden unangenehme 
Aspekte nur am Rande berührt.

(2) Alla Jarosinskaja, Cernobyl' s nami, Moskva 1991, S. 52.

(3)Die bisher einzige umfangreiche Veröffentlichung geheimer Dokumente stellt 
die Herausgabe der Protokolle und der Korrespondenz der Operativen Gruppe des 
Politbüros des ZK der KPdSU zu Fragen, die mit der Beseitigung der 
Katastrophenfolgen zusammenhängen, aus den Jahren 1986- 1987 durch Alla 
Jarosinskaja dar. Alla Jarosinskaja, Cernobyl'. Soversenno sekretno, Moskva 1992.

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