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Leben mit den Becquerel (1989)

AuthorPeter Dammann
DateFebruary 1989
Classification 2.34.8.32/06 (CHERNOBYL ACCIDENT - CONSEQUENCES EUROPE - CONTAMINATED FOOD)
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Leben mit den Becquerel

Auf Grund meiner Recherchen im März 1987 in Nord- und Mittelschweden 
berichteten der "stern" und die "tageszeitung" (taz) im Juni 1987 über die Folgen 
der Reaktorexplosion in Tschernobyl für die schwedischen Rentierzüchter (1). 
In "taz" und "stern" wurde als besondere Sensation bewertet, daß einzelnen 
Versuchspersonen im Strahlenphysikalischen Institut in Umea verstrahltes 
Rentierfteisch serviert wurde (2).
In Schweden ist nur den Lappen, die sich selbst Samen nennen, die Rentierzucht 
erlaubt. Obwohl erst im Sommer 1987 die höchsten Werte bei den Samen 
(Ganzkörperbelastungen bis zu 90.000 Becquerel Cäsium-137) und bei den Rentieren 
(über 100.000 Bq/kg Cäsium- 137) gemessen wurden, waren bis heute keine weiteren 
Informationen über das Schicksal der "Indianer Nordeuropas" in der westdeutschen 
Presse zu finden.
In September 1988 besuchte ich Samen während der Rentierschlachtung, den 
Reichsverband der Samen, das Strahlenphysikalische Institut in Umea, sowie zwei 
"Rentierforscher". Für die Samen in den stark kontaminierten Zonen in Västerbotton 
und Jämtland (Mittelschweden) ist inzwischen das Leben mit den Becquerel zum 
bedrohlichen Alltag geworden. Das wird die nächsten 20 bis 35 Jahre noch so bleiben. 
Im Kampf gegen das Cäsium müssen die Samen ihre Arbeit mit den Rentieren 
umstellen, durch den Verzehr von durchschnittlich 200 kg Rentierfleisch im Jahr 
müssen sie Auswirkungen der radioaktiven Niedrigstrahlung befürchten.

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