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Die Taxonomie-Verordnung und Kernenergie unter Berücksichtigung der DNSH-Kriterien: eine Literaturstudie

AuthorSigrid Stagl
6-01-0-00-279.pdf
DateSeptember 2020
Classification 6.01.0.00/279 (GENERAL)
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Die Taxonomie-Verordnung und Kernenergie unter Berücksichtigung der 
DNSH-Kriterien: eine Literaturstudie

Sigrid Stagl
Wien, September 2020

Im Auftrag des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, 
Innovation und Technologie
Sektion VII – Klimaschutz und Umwelt
Abteilung 10 – Allgemeine Koordination von Nuklearangelegenheiten

1 Kurzfassung
Die ‚Taxonomie-Verordnung‘ enthält drei zu erfüllende Kriterien zur Beurteilung 
dessen, ob eine Wirtschaftstätigkeit als ein Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung 
eingestuft werden kann: (1) einen ‚wesentlichen‘ Beitrag zu mindestens einem der 
sechs Umweltziele leisten (oder zumindest die Befähigung anderer), (2) die 
Erfüllung des Kriteriums ‚Do No Significant Harm‘ in allen Umweltzielen, und (3) 
die Entsprechung der in der Taxonomie angeführten internationalen Sozialstandards 
in der Produktion. Diese Literaturstudie untersucht, inwieweit die Kernenergie 
den Kriterien der Taxonomie-Verordnung entspricht.
Kriterium 1: Die Kernenergie ist im Vergleich zu fossilen Brennstoffen als 
Energiequelle mit geringen Treibhausgasemissionen anerkannt, und entspricht somit 
grundsätzlich dem Kriterium hinsichtlich einer Reduktion oder Stabilisierung von 
Treibhausgasen. Es wird jedoch kontrovers diskutiert, ob diese Technologie in
 einen zukünftigen nachhaltigen Energiemix mit erheblichen CO2-Reduktionen 
einbezogen werden soll. Es wird in Frage gestellt, ob die Kernenergie dem ‚best-in-
class Ansatz‘ im Energiesektor entspricht (und damit als Übergangstechnologie 
eingestuft werden kann). Es gibt alternative Energiequellen mit noch geringeren 
Treibhausgasemissionen, deren gute Leistungen beim Klimaschutz nicht durch 
vergleichsweise hohe Risiken infrage gestellt werden.
Kriterium 2: Die Erfüllung des Kriteriums ‚Do No Significant Harm‘ für alle 
Umweltziele1 kann auf Basis der Literaturstudie folgendermaßen zusammengefasst
 werden:
Während die Risiken nuklearer Unfälle zwar verringert, aber niemals ausgeschlossen 
werden können, führt der Schutz gegen Klimawandelauswirkungen zu steigenden Kosten 
für den Bau und Betrieb von Kernkraftwerken und geringerer Produktivität aufgrund 
extremer Klimaschwankungen, wodurch die Widerstandsfähigkeit der Kernkraft 
eingeschränkt wird. Weiters benötigt Kernkraft überdurchschnittlich viel Grundwasser 
und Oberflächenwasser. Erhöhte Wassertemperaturen und reduzierte Wasserführung der 
Flüsse haben in den vergangenen Jahren bereits zu einer Reduktion und manchmal sogar 
zu Unterbrechungen der Stromerzeugung geführt. Aus diesem Grund werden neue 
Kühltechnologien eingesetzt, die wiederum mit höheren Kosten verbunden sind. Forzieri 
et al. (2018) schätzen die Dürre- und Hitzeschäden in Europa bis zum Ende dieses 
Jahrhunderts auf 67% bzw. 27% aller Risikofolgen für den Energiesektor (derzeit 
31% bzw. 9%).