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Vom Reaktor zur Bombe: Atomkraft in der Dritte Welt (1986)

AuthorEntw.pol.Korrespond.
DateOctober 1986
Classification 6.01.0.20/12 (IMPORTANCE WORLDWIDE)
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Editorial

Strommasten werden nicht nur hierzulande umgesägt: Als Mitte 1985 
philippinische Befreiungskämpfer auf der Insel Luzon 30 Masten fällten, die 
das erste Atomkraftwerk des fernöstlichen Inselstaates ans Stromnetz anschließen
sollten, zeigte sich, daß die anfängliche Euphorie über die Kernkraft auch in vielen 
Staaten der Dritten Welt brüchig wird. Die vier bis fünf westlichen Multis, die als 
Anbieter für AKWs auf dem Weltmarkt auftreten, haben denn auch beim Export 
in die Dritte Welt empfindlich schrumpfende Umsätze und abgemagerte 
Auftragspolster zu verzeichnen.

Das Problem ist damit nicht vom Tisch. Neben gewachsenem ökologischen 
Bewußtsein ist es im Moment auch der Preisverfall beim Erdöl, der den Ausbau 
der Kernenergie bremst. Doch wie lange noch? Für etliche Regierungen kommen 
militärische Überlegungen und das Machtkalkül hinzu. Beherrscht man über den 
Betrieb von AKW s erst einmal den sogenannten nuklearen Brennstoffkreislauf, so 
wie Argentinien, Brasilien und Indien es anstreben, wird auch der Griff zur Bombe 
möglich. Diese Zusammenhänge sind Thema dieses Heftes.

Die Nuklearenergie ist übrigens neben Genmanipulation, Mikroelektronik und 
Weltraumtechnik nur eine der Spitzentechnologien, mit deren Aneignung 
unabsehbare Folgen und Gefahren für die Menschen drohen. Sie ist ein Beispiel 
dafür, wie Technik als Mittel von Macht und Herrschaft benutzt wird.

Auf den Philippinen wurde das Atomkraftwerk Bataan, das Unmengen von Geld aus 
anderen Bereichen abzog, zum Symbol der Macht einer korrupten wirtschaftlichen 
Elite, die sich den überteuerten Meiler vom US-Konzern Westinghouse aufschwatzen 
ließ. Inzwischen hat Frau Aquino diesen größten Schuldenmagneten ihres Landes 
eingemottet.

EPK-Redaktion

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