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Nukleare entsorgung Schweiz: Konzept & Ubersicht über das projekt 1985 (1985)

AuthorNAGRA
Date1985
Classification 2.12.4.10/02 (SWITZERLAND - WASTE (NAGRA))
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VORWORT

Radioaktive Abfälle werden als eine besondere Bedrohung empfunden. Mit den 
Begriffen der Radioaktivität und der Strahlenwirkung assoziieren weite Kreise der 
Bevölkerung Gefühle der Angst und Visionen von Katastrophen in unbewohnbar 
verseuchten Landstrichen. Diese Empfindungen beruhen nicht auf schlechten 
Erfahrungen: Radioaktive Abfälle stehen heute in Zwischenlagern unter Kontrolle 
und stellen keine unmittelbare Umweltbelastung dar. Das Gefühl der Bedrohung hat 
vielmehr Erwartungscharakter und wird vermutlich durch weit zurückliegende 
historische Ereignisse hervorgerufen. Der kriegerische Einsatz der Kernenergie im
Jahre 1945 dürfte die Oeffentlichkeit für die Gefahren unkontrollierter Ausbreitung 
radioaktiver Stoffe sensibilisiert haben.

Die Ereignisse des Jahres 1945 haben aber auch die technisch-wissenschaftlichen
Kreise dazu gebracht, sich mit dem Problemkomplex der Radioaktivität zu
 beschäftigen. Lange vor der praktischen Nutzung der neuen Energiequelle für 
friedliche Zwecke ist dadurch dem Strahlenschutz und dem sicheren Einschluss der 
anfallenden radioaktiven Stoffe die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt worden.

So wurde das Studium der biologischen Wirkung der Strahlung radioaktiver Stoffe 
vertieft angegangen; die entsprechenden Wirkungsmechanismen werden heute besser 
verstanden als bei vielen anderen toxischen Stoffen. Man lernte zu unterscheiden 
zwischen unfallartigen somatischen Schäden bei hohen Strahlendosen und 
chronischen Auswirkungen bei lang andauernder schwacher Strahlenexposition, die 
zu genetischen Effekten und Krebsinduktion führen kann. Man erkannte die 
Schwierigkeit der Korrelation dieser Effekte mit so kleinen Dosisleistungen, wie sie 
die natürliche Strahlenexposition mit sich bringt - die möglichen radiologischen 
Auswirkungen lassen sich wegen der überdeckenden Effekte allgemein biologischer
wie zivilisatorischer Herkunft nicht nachweisen.

Aus einer vorsichtigen Einstellung heraus neigt man heute zu der Auffassung, dass 
es keine Schwellenwerte der Dosisleistung gibt, unterhalb welcher keine Effekte 
auftreten. Daraus resultiert das von der Internationalen Strahlenschutzkommission 
(ICRP) empfohlene und allgemein akzeptierte Grundprinzip des Schutzes vor 
Strahlung radioaktiver Stoffe: So wenig wie vernünftigerweise möglich. Immerhin 
erlaubt die Existenz des natürlichen, ständig vorhandenen Strahlenfeldes auf der 
Erdoberfläche Hinweise auf Strahlendosen, welche die Lebewesen vertragen können 
bezw. seit jeher haben vertragen müssen. Nur wenige Prozent davon erscheinen als 
Restrisiko bei der Beseitigung radioaktiver Abfälle tolerierbar.

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