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Die Anfänge der Anti-Atom Bewegung in der Bundesrepublik Deutschland

AuteurMarco Rieckmann
2-01-2-10-28.pdf
Datumaugustus 2000
Classificatie 2.01.2.10/28 (DUITSLAND - AKB - ALGEMEEN)
Opmerking Hausarbeit zum Seminar „Konsens und Konflikt in der Energiepolitik”, SoSe 2000, PD Dr. Thomas Saretzki

Uit de publicatie:

1. Einleitung
In der Bundesrepublik Deutschland wurde nach einer jahrzehntelangen Auseinandersetzung
nun in diesem Jahr in einer Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Energie-
versorgungsunternehmen („Atomkonsens”) ein Ende der zivilen Atomenergienutzung
beschlossen. Inhalt dieser Arbeit soll es nicht sein, die Ergebnisse dieses Konsensverfahrens
zu bewerten. Dazu ist in den letzten Wochen und Monaten aus den verschiedensten
Blickwinkeln schon viel geschrieben worden.
Vielmehr soll die Entstehung der deutschen Anti-Atom-Bewegung betrachtet werden. Die
Frage, die im Mittelpunkt der Arbeit steht, ist diejenige, wann, wie und warum die Bewegung
entstanden ist.
In den 50er Jahren, also in den Anfängen der zivilen Nutzung der Atomenergie, gab es in der
Bundesrepublik Deutschland zwischen allen relevanten Parteien einen einhelligen Konsens,
dass ein Einstieg in die Atomenergie nicht nur verantwortbar sondern sogar notwendig sei. 50
Jahre später sind wir an einem Punkt angelangt, an dem kaum noch jemand einen weiteren
Ausbau der Atomenergie fordert. Auch wenn sicherlich ein Neubau von Atomkraftwerken
nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann, steht im Mittelpunkt der Diskussion derzeit
doch eher die Frage, wie lange die bestehenden Atomkraftwerke noch in Betrieb bleiben
sollen. Innerhalb von 50 Jahren haben sich die Positionen der Parteien sowie großer Teile der
Gesell- schaft zur Atomenergie also stark verändert. Es besteht kein Zweifel, dass die Anti-
Atom- Bewegung wesentlich zu dieser Entwicklung beigetragen hat.
Aber natürlich gab es nicht schon beim Bau der ersten Atomkraftwerke eine bundesweit gut
vernetzte Anti-Atom-Bewegung. Diese musste erst entstehen und sich weiterentwickeln. Es
stellt sich also die Frage, wann es die ersten Proteste gegen einzelne Atomenergieprojekte
gab, welches die Ursachen für diese Proteste waren, ob sie in der Tradition anderer
Bewegungen standen und wie letztlich eine Bewegung - die Anti-Atom-Bewegung -
entstand, die als eine von mehreren Neuen Sozialen Bewegungen starken Einfluss auf die
gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen der Bundesrepublik Deutschland
genommen hat. Im Kern geht es damit um den Ursprung der nun schon seit Jahrzehnten
andauernden Atomenergiekontroverse. Zum Verständnis dieser Kontroverse ist die Analyse
ihres Ursprungs von nicht zu unter- schätzender Bedeutung.