Stichting Laka

Publicatie Laka-bibliotheek:
Protokolle einer Katastrophe (1988)

AuteurJ.Stscherbak
Datumapril 1988
Classificatie 2.34.8.10/87 (TSJERNOBYL - ONGELUK & OMGEVING - ALGEMEEN)
Voorkant

Uit de publicatie:

Ein Jahr ist vergangen seit der Katastrophe im Kernkraftwerk Tschernobyl.

Nur ein Jahr.

Doch welch ferne, behäbige Idylle scheint uns jetzt diese Welt vor Tschernobyl 
zu sein, wie ruhig und selbstzufrieden war sie all die Jahre in ihrer verschlafenen, 
lässigen Unbekümmertheit.

Für all diejenigen, die direkt oder indirekt von der Tragödie von Tschernobyl 
betroffen waren, ist die Zeit gleichsam in zwei ungleiche Teile gespalten: in die Zeit 
vor dem 26. April1986 und in die danach. So, wie eine der Protagonistinnen unserer
Erzählung, Anelija Perkowskaja, sagt: »Es erinnert sehr an den Krieg. Auch für uns 
hier im Stadtkomitee gab's bisher immer nur diese Einteilung: vor dem Krieg und 
nach dem Krieg. Aber jetzt sagen wir auch: Das war vor dem Krieg.«

Die Zeit seit dem Unglück, vor allem die ersten, schwierigsten Monate, die scheinbar 
eine ganze Ewigkeit dauerten, läßt sich in verschiedene Epochen, Etappen, Perioden, 
Stadien, oder wie immer man es nennen will, mit ihren besonderen Kennzeichen in 
klare Abschnitte unterteilen: vom Frühling mit seiner ganzen bezaubernden 
Schönheit, dem weißen Blütenmeer der Gärten, den Frühlingsfluten der Flüsse in 
diesem tragischen ukrainischen Frühling 1986, der von nun an in die 
Geschichtsbücher, die Chroniken und Menschheitslegenden eingehen wird- bis hin 
zu dem nebeligen Spätherbst in Tschernobyl, als die Arbeiten am Sarkophag 
abgeschlossen waren - dem Bau, der den geborstenen vierten Block zudeckte.
Ein Jahr, das ist vielleicht eine Sekunde in der Geschichte der Menschheit, und 
nicht einmal im Leben eines einzelnen Menschen ist das ein großer Zeitraum.

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