Publicatie Laka-bibliotheek:
Kommt Zeit, kommt Unrat (1977)
| Auteur | Jürgen Dalh (Scheidewege) |
| Datum | 1977 |
| Classificatie | 2.01.8.30/07 (DUITSLAND - GORLEBEN - ALGEMEEN) |
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Uit de publicatie:
Jürgen Dahl Kommt Zeit, kommt Unrat Der ,,Entsorgungspark" der Atomindustrie Als seinerzeit der Wolf die Kreide gefressen hatte, klang seine Stimme fein und lieblich, und die sieben dummen Geißlein merkten gar nicht, mit wem sie es zu tun hatten; sie glaubten, es wäre die gute Mutter Geiß. Wenn einer Kreide frißt, muß das noch nicht heißen, daß er ein Wolf ist - aber Kreide ist Kreide, und wer sie in den Mund nimmt, hat mit dem Argwohn zu rechnen, daß etwas beschönigt werden soll, was so schön nicht ist. Einst hieß die Atomenergie ,,Atomenergie" und die Atomkraftwerke hießen ,,Atomkraftwerke". Als man merkte, daß dies die Geißlein ängstigte, kaufte man Kreide und sprach fortan von ,,Kernenergie" und ,,Kernkraftwerken". ,,Atom" - das reimte sich auf Hiroshima und Nagasaki, ,,Kern" hingegen hat etwas anheimelnd Verläßliches, etwas von standfester Würde, und wer daran zweifelt, macht sich gleich verdächtig, ein loser Vogel zu sein, der Würde und Verläßlichkeit nicht zu schätzen weiß. In den ,,Kern"-Kraftwerken gibt es (auch dies hat die Kreide bewirkt), wenn es einen Unfall gibt, keinen Unfall, sondern nur einen "Störfall". Was immer bei einem solchen Störfall passieren mag, es wird durch die Benennung nicht als das Unglück beschrieben, daß es für die Betroffenen darstellt, sondern als die Störung, die es dem Betriebsablauf zufügt. Da wird die Absicht der Beschönigung augenfällig, die Sprachregelung triumphiert über die immerhin mögliche Realität, die Grenze zwischen dem Malheur und dem Fiasko wird mit Fleiß verwischt.
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