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Publicatie Laka-bibliotheek:
Leben im Atomstaat. (1996)

AuteurGorlebener TurmbezetzerInner
Datumoktober 1996
Classificatie 2.01.8.39/07 (DUITSLAND - GORLEBEN - ACTIES)
Voorkant

Uit de publicatie:

Leben im Atomstaat ein Buch der GORLEBEN ER TURMBESETZERINNEN

Hintergrund für dieses Buch ist, daß wir Turmbeset1.erlnnen wegen einer Besetzung 
der Bohrtürme des Erkundungsbergwerkes fiir ein atomares Endlager in Gorleben 
eine Schadensersatzklage der Bundesrepublik Deutschland an den Hals bekamen - 
weil für 24 Stunden die Arbeiten behindert worden sein sollen. Die Besetzungsaktion 
liegt schon einige Jahre zurück. Es war der 21. und 22. Juni 1990. Die Aktion war 
zeitgleich zur Machtübernahme von Rot/Grün in Hannover, die in ihrer 
Regierungserklärung ebenfalls bekundet hatten. ein mögliches Endlager Gorleben 
zu kippen.

Eigentlich wäre alles ,,normal" verlaufen: Eine der bestbewachtesten Baustellen der 
BRD mit vier Meter hohen Mauern, Zäunen und Wachschutz wird in einer Blitzaktion 
mit zusammengebastelten Holzleitern und einer Portion Entschlossenheit besetzt, 
Transparente ausgerollt und nach 24 Stunden wieder verlassen. Etwas Öffentlichkeit 
ist da, Funk/Fernsehen. und damit wird über die Nachrichten bekundet, daß solche 
Symbole wirtschaftlicher Interessen, beim ,,Volk" Widerstand hervorrufen. Danach 
erfolgt die übliche Polizeirepression: ED-Behandlung. Ermittlungen wegen 
Straftatbeständen etc .. Die Strafverfahren werden vor dem Amtsgericht in 
Dannenberg 1992/93 eingestellt. Doch dann bekommen wir 14 BesetzerInnen im Juni 
93 wenige Tage, ja Stunden. vor der Verjährungsfrist für Schadensersatzansprüche. 
Mahnbescheide zugestellt. Die BRD fordert von uns Schadensersatz für 
Stillstandskosten.

Dies ist der Punkt, der es so wichtig macht, viel Zeit, viel Arbeit und viel Geld zu
investieren. um gegen diese unangemessene Vorgebensweise einer Zivilklage zu 
kämpfen. Wir sollen 130.000 DM Stillstandskosten zahlen, weil die Arbeiten 24 
Stunden ruhen mußten: Erstens haben 130.000 DM auf beiden Seiten unterschiedliche 
Bedeutung: auf der einen Seite werden ständig Summen in Milliardenhöhe 
verschoben, ohne daß es jemanden direkt trifft - auf der anderen Seite bedeuten die 
130.000 DM bei uns Existenzbedrohung. Zweitens läuft hinter den Kulissen ein
Machtspiel um das Nadelöhr "Endlager der Atomkraft": Da geht's prinzipiell um die 
Frage, wer die Kosten übernehmen soll, die Müllverursacher oder wir mit unseren 
Steuergeldern. Drittens kann ganz leicht mit ,,Mahnbescheiden" Widerstand 
zumindest bezüglich solchen auf Öffentlichkeit basierenden Aktionen finanziell 
niedergerungen werden. ... Oder ist die Tatsache, daß ,,SIE" zu solch plumpen Mitteln 
wie Mahnbescheiden greifen, etwa ein Eingeständnis, daß sie sich ihrer Sache nicht 
mehr so sicher sind?

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