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Nach Tschernobyl; Die Antworten de BUND-Strahlenkommission auf die 21 Fragen der Bundesgesundheitsministerin (1986)

AuteurBUND
Datumjuli 1986
Classificatie 2.34.8.30/32 (TSJERNOBYL - GEVOLGEN REST EUROPA - ALGEMEEN)
Voorkant

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Vorwort

Seit dem 2. Weltkrieg hat kein Ereignis die Bürger der Bundesrepublik Deutschland
so stark bewegt, wie der Reaktorunfall in Tschernobyl. Eine weithin über die Folgen 
künftiger Radioaktivität unaufgeklärte Bevölkerung bestürmte die Behörden und 
Verbände, die Presse und die Politiker mit Fragen. Die meisten Behörden
erwiesen sich aber als erschreckend inkompetent. Sie konnten oder wollten kaum 
Meßwerte angeben und blieben trotz mehrtägiger Vorwarnung untätig. Sie gaben 
Verhaltensregeln und Grenzwerte immer erst ein paar Tage verspätet heraus, selbst 
die Strahlenschutzkommission des Bundesinnenministeriums erteilte falsche 
Ratschläge.

Die Katastrophe von Tschernobyl demonstriert uns eindeutig, daß wir in eine
Sackgasse der technischen Entwicklung geraten sind.

Daher werden wir neue Wege beschreiten müssen, um einerseits unsere Angst vor 
den unüberschaubaren Auswirkungen der Wachstumsideologie zu bewältigen und 
andererseits eine lebenswerte Welt von morgen mitgestalten zu können. Die 
kommenden Generationen sollen uns nicht den. Vorwurf machen können, vieles 
gewußt und nichts getan zu haben. Denn viele der neuen Wege sind bereits 
ausgewiesen, sie müssen nur noch beschritten werden.

Mögliche Folgen für Pflanzen- und Tierwelt durch die Reaktorkatastrophe von 
Tschernobyl blieben bei allen offiziellen Verlautbarungen und Untersuchungen
unberücksichtigt. Für die betroffenen Menschen ist das Risiko zu erkranken oder 
ihren Kindern einen Erbschaden mitzugeben, nach Tschernobyl größer geworden. 
Viele langlebige radioaktive Stoffe werden uns Jahrzehnte bis Jahrhunderte verfolgen. 
Es wird einige Verhaltensregeln geben, um die Aufnahme dieser radioaktiven Stoffe 
zu vermindern, verhindern können wir dies aber nicht mehr. Wir können nicht aus 
dem Leben aussteigen, aber aus der Kernenergie.

Die Bundesgesundheitsministerin, Professor Dr. Rita Süßmuth, hat ein Faltblatt
mit Antworten auf 21 von ihr selbst gestellte Fragen herausgegeben, das aber eher 
Beschwichtigung denn Aufklärung über die anstehenden Probleme ist. Die 
Strahlenkommission des BUND, der über 40 Wissenschaftler aus den 
unterschiedlichsten Fachbereichen angehören, hat daher diese 21 Fragen noch 
einmal aufgegriffen und neu beantwortet.

Für die BUND Strahlenkommission
Juli1986
Dr. Ludwig Trautmann-Popp

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